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Neujahrsempfang, Fraktion Die Linke & Piraten, Sarah Wagenknecht

Sahra Wagenknecht zu Gast bei der Linken Dortmund

Der Saal im Wichernhaus war pickepackevoll. Kein Wunder, war doch Sahra Wagenknecht Ehrengast beim diesjährigen Neujahrsempfang der Dortmunder Ratsfraktion DIE LINKE & PIRATEN.

Die prominente Bundestagsabgeordnete war für „ihre“ Basis extra aus Berlin angereist. Aber  auch zahlreiche Gäste – Gewerkschaften, Initiativen, Sozialeinrichtungen und -Verbände, Naturschützer,  Bürgerinitiativen oder Vereine – hatten es sich nicht nehmen lassen, das „Gesicht der Linken“ (Die Welt) einmal live zu erleben.

Sahra Wagenknecht enttäuschte sie nicht und kommentierte gleich zu Beginn der Veranstaltung die aktuelle Vorfälle in Thüringen (Ministerpräsidenten-Wahl) und in der CDU (Rücktritt der Vorsitzenden) – und ließ die Anwesenden hinter Kulissen der Polit-Bühne blicken. „Wer glaubt, dass sich ein Herr Höcke an die üblichen Spielregeln hält, der irrt sich gewaltig“, sagte Wagenknecht. „Das war im Vorfeld abgestimmt.“

Es sei deshalb wichtig, dass man sich damit auseinander setze, warum die AfD – gerade im Osten (Wagenknecht stammt aus Thüringen) – so stark sei. Denn es gebe immer mehr Menschen, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen und deshalb entweder gar nicht mehr wählen – oder eine Protestpartei wählen würden. „Diese Wähler  sind nicht alles Rassisten“, sagte Wagenknecht. Die Wahlergebnisse seien vielmehr die Quittung für ein großes Politikversagen. Keine der Regierungsparteien reagiere beispielsweise auf die wachsende Altersarmut. Kaum einer im Berliner Parlament spreche noch die Sprache der einfachen Menschen, kenne deren Lebensrealität oder erreiche sie inhaltlich mit den Debatten. „Das bereitet mir alles große Sorgen.“ Es gebe immer mehr Menschen, denen es nicht gut gehe – und selbst DIE LINKE erreiche diesen Personenkreis immer schlechter. „Wir haben unsere besten Werte vielmehr bei Akademikern und Studenten“, sagte Wagenknecht.

Deshalb müsse man auch bei Forderungen nach einer Fleischsteuer oder höheren Lebensmittelpreisen vorsichtig sein, sagte Wagenknecht. Das sei eine elitäre Diskussion. 1,6 Millionen Menschen in Deutschland seien Tafel-Kunden; diese Menschen könnten sich kein teures Bio-Fleisch leisten. Spontanen Beifall gab es für ihre Kritik, dass es generell falsch sei, Probleme „einfach“ durch höhere Preise, bezahlt von den Konsumenten, lösen zu sollen. „Die Landwirte bekommen für ihre Produkte kaum Geld, die Eigentümer der Discounter gehören zu den reichsten Menschen in Deutschland – und der Verbraucher soll immer mehr zahlen?“

Sahra Wagenknecht war in Fahrt, der Moderator – der Journalist Thomas Engel –  konnte gar nicht alle Fragen loswerden: Co2-Steuer, Billigproduktion im Ausland („klimapolitischer Irrsinn“), Handelsabkommen, Rüstungsindustrie, Digitalisierung, Pflegenotstand, Agenda 2020, Hartz IV, Niedriglohnsektor, Generalstreiks in Frankreich, das Bildungssystem, Privatisierung von öffentlichen Aufgaben… Die Themen, die Sahra Wagenknecht ansprach, waren vielfältig - und hatten immer dasselbe Ergebnis: Die Gesellschaft klafft immer weiter auseinander.

45 Minuten waren für die Talkrunde ursprünglich eingeplant. Nach gut 75 Minuten wurde es plötzlich etwas hektisch. Der Stargast musste aufbrechen: Das Flugzeug nach Berlin wartete. Für die ursprünglich vorgesehenen Fragen aus dem Publikum blieb leider keine Zeit mehr. Doch die Anwesenden hatten dennoch noch genügend Gesprächsstoff für den Rest des Abends.