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Cornelia Wimmer

Nach der Pandemie kam das Wasser

Ein Kommentar von Cornelia Wimmer

Nach der Pandemie kam das Wasser. Nicht für alle, vielleicht nicht einmal für viele, aber es dürfte etliche geben, für die es sich genauso darstellt: Ein Jahr lang Existenznöte und schwierig zu organisierendes Leben aufgrund von Lockdown und Kontaktbeschränkungen, erstes Aufatmen in Sicht, nun schwere Beschädigungen bis hin zur Existenzvernichtung durch Wasser.

Deutschland galt jahrelang als mustergültig durchorganisiertes Land. Bürokratisch, ja, dafür aber – zumindest für seine Staatsbürger*innen - ziemlich sicher. – Keine Schaukel ohne TÜV-Prüfung, penible Brandschutzvorschriften und viele andere Sicherheit verheißende Vorschriften mehr.

Was ist passiert?

Zu Beginn der Pandemie stand das Land ohne die schlichtesten Schutzelemente wie Masken und Kittel da. Nur zögernd fasste es Tritt, zu keinem Zeitpunkt war ein konsequentes Pandemiemanagement zu verzeichnen.

Am 14.7. kam das Wasser. Unbeschreibliche Bilder von Zerstörungen, vernichtetes Zuhause für sehr viele, viele Todesopfer. Offenkundiges Versagen vorausschauenden Katastrophenschutzes, es fehlten wohl auch effiziente, unüberhörbare und unübersehbare Warnungen und frühzeitige Evakuierungen. Das Wasser wäre trotzdem gekommen, es hätte die Häuser mitgerissen, - Tote allemal hätte man wohl verhindern können.

Was hätten wir gebraucht? Kann man sich für Jahrhundertfluten wie die erlebte wirklich nicht rüsten? Zumindest teilweise kann man das. Man braucht Flächen, die kontrolliert überflutet werden können, Böden, die Wasser aufnehmen. Man braucht ein Warnsystem, das sich nicht darauf verlässt, dass schon jede/r eine Wetter-App habe und die auch benutze. Sondern klassische Mittel: Durchsagen, Lautsprecherwarnungen. Und zeitige Ausweichquartiere für Gefährdete, die ebenso zwingend aufgesucht werden müssen, wie man es bei einer Blindgängerentschärfung durchsetzt.

Dortmund ist vergleichsweise glimpflich davongekommen, obwohl auch hier Menschen schwer getroffen wurden.

Jetzt nur von der Aktualität des Klimaschutzes zu sprechen, greift zu kurz. Klimaschutz ist eine lokale, aber auch eine globale Aufgabe. Hochwasserschutz aber ist unter anderem eine lokale, städtische Aufgabe - und betrifft jeden Planungsschritt mit. Sie betriff eben auch die Innenstadt, wie wir sie gewohnt sind: Wüsten aus Asphalt, Beton und Stein nehmen kein Wasser auf. Sinnlos versiegelte Böden müssen entsiegelt und wieder wasserdurchlässig werden. Aufnahmefähige Grünflächen müssen entstehen, wo jetzt auslandende Parkplätze so schön pflegeleicht asphaltiert sind. Der für Straßen beanspruchte Raum muss reduziert und einer Durchgrünung zur Verfügung gestellt werden.

Dann wird es immer noch Starkregen geben. Leider wird er mit jedem Zehntelgrad Erderwärmung wahrscheinlicher und, für sich genommen, auch heftiger. Ihn zu begrenzen bleibt eine nur durch eine Vielzahl von Maßnahmen zu leistende Aufgabe. Uns aber vor seinen verheerenden Auswirkungen ein gutes Stück weit zu schützen, das ist sofort möglich. Hier vor Ort, kommunal mitbestimmbar durch uns alle.