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Jörg Kleine, Vorstandsmitglied DIE LINKE. Dortmund.
Kommunalwahl 2020

Mobile Impfteams in Dortmund? Fehlanzeige!

Es ist mittlerweile offensichtlich und auch bekannt: In den Städten und Kreisen sind die Inzidenzen (also der Anteil der Infizierten) in denjenigen Stadt- und Ortteilen besonders hoch, in denen besonders viele wirtschaftlich schwach gestellte Menschen leben. Oft betroffen sind daher auch Wohnviertel mit einem hohen Anteil an Migrant:innen, Bezieher:innen von Sozialleistungen und prekär Beschäftigten. Die Gründe liegen auf der Hand: Beengte Wohnverhältnisse, keine ausreichenden finanziellen Mittel, um zusätzlich erforderliche Schutz- und Hygieneartikel zu kaufen, und in vielen Fällen wohl auch Informations- und Wissenslücken.

Auch ohne Corona sterben wirtschaftlich und sozial Abgehängte früher. Die Corona-Pandemie schreit daher geradezu danach, diesen Menschen schnell und unbürokratisch zu helfen. Köln macht es vor. Hier fahren jetzt Impfbusse in die problematischen Stadtteile, Helfer:innen informieren mehrsprachig, es gibt ein sofortiges Impfangebot.

Nun wissen wir, dass die Zahl der Infizierten in einigen Stadtteilen deutlich über dem Durchschnitt liegt. Das gilt vor allem fü die Nordstadt und Eving, aber auch für Mengede und Huckarde. Wer den Sozialbericht kennt, dem dürfte sofort auffallen, dass in diesen Stadtteilen besonders viele wirtschaftlich schwach gestellte Dortmunder:innen leben.

Da ist es schon erstaunlich, wie der Chef des Gesundheitsamtes unserer Stadt, Dr. Frank Renken, auf die Frage reagiert, ob mobile Impfteams auch in Dortmund geplant sind. Er hält den Einsatz für verfrüht. Es könne ja sein, dass diese Impfteams quasi „beschäftigungslos“ durch die Viertel fahren und auf keinerlei impfwillige Menschen treffen.

Das ist so typisch für die Coronapolitik in den Kommunen, den Ländern und auch im Bund: Plausible, auch von Wissenschaftlern vorgeschlagene proaktive Reaktionen auf das Infektionsgeschehen werden vor sich hergeschoben und in irgendwelchen Arbeitsgremien diskutiert – es ist ja noch zu früh für konkrete Entscheidungen und Handlungen. Wenn man sich dann endlich durchgerungen hat, Maßnahmen zu ergreifen, ist es dann allerdings schon längst wieder zu spät, denn mittlerweile sind dann bereits wieder mehr Menschen infiziert, erkrankt oder sogar gestorben.

Ein Trauerspiel.

(Jörg Kleine, Vorstandsmitglied)