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Thomas Zweier
Kommunalwahl 2020

„Ja, Leistungen der Gastarbeiter sollen gewürdigt werden“

Los ging es eigentlich schon vor weit über 100 Jahren im Bergbau. Doch offiziell trafen vor 66 Jahren die ersten – offiziell angeworbenen – Gastarbeiter aus Italien in Dortmund ein. Menschen aus vielen weiteren Ländern folgten, um in Dortmund beim Wiederaufbau zu helfen. Diese Leistungen sollen nun gewürdigt wurden. Doch wie?  Heftig diskutiert wurde in den vergangenen Wochen über die Idee, ein Gastarbeiter-Denkmal zu errichten. Oder doch lieber ein Museum? Theaterstücke? Lesungen? Die Meinungen gingen weit auseinander, auch in der Fraktion DIE LINKE+.

Einvernehmlich begrüßt die Fraktion DIE LINKE+ jedoch die Idee, die Geschichte der Gastarbeiter zu thematisieren und öffentlich zu würdigen. Thomas Zweier, kulturpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE+: „Diese Auseinandersetzung mit diesem Stück Dortmunder Geschichte war längst überfällig, zumal es ja auch durchaus Versäumnisse gab und immer noch gibt - etwa bei der Integration. Und auch Rassismus und Ausgrenzung sind leider noch allgegenwärtig.“

Nun wurde im Kulturausschuss am 1. Juni ein Kompromiss gefunden, den Thomas Zweier als „gut“ bezeichnet. Denn realisiert werden sollen nun sowohl ein Denkmal als auch eine Ausstellung.

So haben die Vertreter*innen aller demokratischen Parteien die Verwaltung beauftragt, eine Konzeption für einen künstlerischen Wettbewerb zur Errichtung eines „Denkmals für Gastarbeiter*innen in Dortmund“ (Arbeitstitel) zu erarbeiten. Mit eingebunden werden sollen dabei auch der Integrationsrat, gesellschaftliche Organisationen, interessierte Personen der Stadtgesellschaft, Hochschulen, Migrantenselbstorganisationen, die Auslandsgesellschaft, das Stadtarchiv, das Museum für Kunst und Kulturgeschichte, das Hoesch-Museum und das Dietrich-Keuning-Haus.  

Und nicht nur ein Denkmal soll entstehen. In dem gemeinsamen Beschluss heißt es auch, dass die Zu- und Einwanderungsgeschichten und -historie integraler Bestandteil einer aktualisierten stadtgeschichtlichen Präsentation des Museum für Kunst und Kulturgeschichte und des Stadtarchivs werden soll. Auch dafür soll ein Konzept erarbeitet werden.

Thomas Zweier ist mit dieser Doppellösung zufrieden. Ein Denkmal alleine wäre für ihn nicht ausreichend gewesen. „Ein Denkmal errichtet man in der Regel im Gedenken an Tote. Aber nicht für einen Prozess, der immer aktiv ist. Früher wurden Arbeitskräfte aus Polen oder der Türkei für den Bergbau angeworben. Heute dagegen kommen indische Programmierer, bulgarische Spargelhelfer oder philippinische Pflegekräfte, um die Dortmunder zu unterstützen. Wie sollen all diese unterschiedlichen Biografien in nur einem Denkmal umgesetzt werden? Und wie will man in nur einem Denkmal die Leistungen einerseits würdigen, die Probleme aber gleichzeitig nicht verdrängen? Ich bin deshalb zufrieden, dass die komplexen Fragen dieser jahrzehntelangen Geschichte zusätzlich in einer Ausstellung beleuchtet werden sollen.“