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Cornelia Wimmer

DIE LINKE. Dortmund zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Dieser Tage, am 22. Juni vor 80 Jahren, überfiel Hitlerdeutschland die Sowjetunion. Der Eroberungs- und Vernichtungskrieg kostete nach zurückhaltenden Schätzungen 27 Millionen Sowjetbürger das Leben. Der kleinere Teil davon waren Soldaten, die meisten Zivilist*innen: Ermordet, in Zwangsarbeit zu Tode geschunden, durch Kälte, Hunger zu Tode gebracht. Denn die faschistischen Eroberer mordeten, bemächtigten sich der Vorräte an Vieh und Nahrungsvorräten, warmer Kleidung, Brennmaterial, zündeten Dörfer an. Sie belagerten 300 Tage lang Leningrad in der Absicht, die Einwohner*innen verhungern zu lassen, was für eine Million unter ihnen auch so geschah.

Kriege, so barbarisch sie per se sein mögen, kennen durchaus Grenzen des Erlaubten, das sogenannte Kriegsrecht. – Es verpflichtet, die Zivilbevölkerung zu schonen. Der faschistische Vernichtungsfeldzug gegen den sogenannten „slawischen Untermenschen“ hatte nicht vor, sich an Kriegsrecht zu halten.

Die Gräuel des Krieges im Osten sind, anders als der Holocaust, nicht Teil einer deutschen Erinnerungskultur. Im Bewusstsein seiner Verbrechen fühlt sich Deutschland zu Recht dem Staat Israel verantwortlich. Von einer entsprechenden Verantwortung gegenüber Russland ist dagegen nicht die Rede. Russland wird fast täglich als potenzieller Aggressor dargestellt, obwohl es für diese Behauptung keinen Anlass gibt und es westlichen militärischen Bündnissen in absurdem Maße unterlegen ist. In diesen, russische Menschen kränkenden Zuschreibungen wird nie thematisiert, wer bisher Täter, wer Opfer war: Deutschland war Täter, Russ*innen waren Opfer. Die Erinnerungen daran sind in jeder russischen Familie präsent.

Der Bundespräsident hat aus Anlass des Jahrestages eine Rede von erfreulicher Deutlichkeit gehalten. Möge sie dazu beitragen, dass die Dinge anders werden zwischen unseren Ländern. Möge es ein Ende haben mit der Dämonisierung Russlands, dem wir geschichtlich und kulturell eng verbunden sind. Eine europäische Friedensordnung unter Einschluss Russlands wäre ein Ziel, das die Bevölkerungen aller beteiligten Länder aufatmen lassen könnte: Durch Bannung der Kriegsgefahr und durch die Möglichkeit, in Kriegsvorbereitungen investierte Ressourcen frei zu machen für die Probleme, die wir wirklich haben: Eine bewohnbare, lebenswerte, gerechtere Welt in und auch jenseits von Europa.