„Bei den Toten können wir uns nicht mehr entschuldigen.“ gab Friedrich Fuß, Bezirksbürgermeister Innenstadt-West den etwa 100 Teilnehmenden mit auf den Weg. Heute, am 27.Januar, erinnerten sich vor allem viele junge Menschen von Dorstfelder Schulen an die von Faschisten ermordeten Menschen. Am 27.Januar 1945 befreiten sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz. Die Weltöffentlichkeit erfuhr dadurch vom industriellen Massenmord der Faschisten.
Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert an alle Opfer eines beispiellosen menschenverachtenden Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft und Rassenwahn entrechtet, ver-folgt, gequält und ermordet wurden.
Am 27. Januar 2012 jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – Birkenau durch die Rote Armee zum 67.Mal.
Auf die Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog wurde 1996 dieser Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Am 1. November 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar in einer Resolution offiziell zum internationalen Holocaustgedenktag.
Auschwitz ist mit der deutschen und europäischen Geschichte seit 73 Jahren verbunden. Sie beginnt 1939 mit dem Einmarsch der Deutschen in Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs.
Zehn Jahre später prägt Auschwitz maßgeblich die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die Verfasser des Grundgesetzes sind getrieben von einem „Nie wieder“. Dieses „Nie wieder“ bezieht sich auf die etwa 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges.
Auschwitz steht synomynhaft für alle Gefängnisse und Vernichtungslager, für Folter und Menschenversuche, für eine bis ins letzte geplante Vernichtungsmaschinerie – für Unmenschlichkeit schlechthin.
Für durch den Größen- und Vernichtungswahn geprägten, bürokratisierten, industrialisierten Massenmord an Menschen aus ganz Europa durch Deutsche und ihre Kollaborateure, der bis heute Grauen und Entsetzen auslöst.
Nur noch wenige Zeitzeugen des Holocaust sind am Leben. Und je weniger sie werden, desto mehr schwindet auch das Bewußtsein in der Bevölkerung für die Verbrechen des Nationalsozialismus. So kann jeder fünfte Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren einer Umfrage zufolge nichts mit dem Begriff Auschwitz anfangen. 21 Prozent der 18 bis 30-Jährigen wissen dem zufolge nicht, daß der Name für ein Konzentrations-Vernichtungslager der Nationalsozialisten steht. Dies ergab eine am 25. Januar 2012 veröffentliche Umfrage des Forsa-Institut im Auftrag des Magazin Stern.
Anders sieht es bei den über 30-Jährigen aus: Hier wissen 95 Prozent etwas mit dem Begriff anzufangen.
Insgesamt kannten 90 Prozent der befragten 1002 Bundesbürger das Konzentrations-Vernichtungslager.
Der 27. Januar muß zu einem wirklichen Tag des Gedenkens, des Nachdenkens werden, er darf keine Alibi-Funktion entfalten. Es gibt keine Kollektivschuld der Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus, damit würden wir denen nicht gerecht werden, die ihr Leben, Freiheit und Gesundheit im Kampf gegen den Nationalsozialismus aufs Spiel gesetzt haben und deren Vermächtnis der Staat ist, in dem wir heute leben. Auch sind die nachfolgenden Generationen nicht schuldig an den Verbrechen, aber eine kollektive Verantwortung gibt es für alle und sie kann nur heißen:
zunächst darf das Erinnern nicht aufhören, denn ohne Erinnerung gibt es weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft,
zum anderen zielt die kollektive Verantwortung genau auf die Verwirklichung dieser Lehren, die immer wieder aud dasselbe hinauslaufen: Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte, Würde des Menschen.
Heute wichtiger denn je, weil es wieder vermehrt Rechtsextreme gibt, die die Opfer verhöhnen und versuchen, die Verbrechen im Nationalsozialismus zu verharmlosen oder gar zu leugnen.
Dem ist mit allen Nachdruck Einhalt zu bieten, auch das sie ihr braunes Gedankengut offen verbreiten können, damit sich die Geschichte nicht wiederholen kann.
Darum sind auch solche Gedenktage wichtig auch zum Schutz unserer Demokratie, damit sich die Geschichte nicht wiederholen kann.