26. Januar 2012 Petra Tautorat / Utz Kowalewski

„Mit Nazis spielen?“ – Linke kritisieren Bundesprojekt für Dortmund

Mit 300.000 Euro fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Kristina Schröder (CDU) künftig ein bei Dortmunder AntifaschistInnen massiv kritisiertes Projekt der „multilateral academy ggmbh“. DIE LINKE und die antifaschistische Zeitung „Lotta“ kritisieren vor allem die Naivität mit der man mit Dorstfelder Nazikadern ins Gespräch kommen will.

 

„Mit Nazis spielen?“ So ist ein Artikel in der Lotta – Antifaschistische Zeitung aus NRW überschrieben. Das Projekt „Dortmund den Dortmundern“ wird in diesem Artikel vernichtender Kritik ausgesetzt. Inhalt des Projektes ist es „Jugendliche aus bildungsfernen Milieus“ bewusst in Konfliktsituationen mit geschulten Nazikadern zu bringen. Der Träger des Projektes gibt in seinem Projektantrag sogar offen zu, im Umgang mit Neonazis bisher noch überhaupt keine Erfahrungen zu haben.

 

„Was könnte mit diesem Geld nicht alles Sinnvolles gemacht werden? Was könnte z. B. die Beratungsstelle Back Up leisten, die sich um Betroffene rechter Gewalt kümmert? Hier wäre das Geld sinnvoller angelegt. Stattdessen bringt man Jugendliche in eine Situation, die geeignet ist, sie selbst ins Zielvisier der Neonazis zu bringen, wenn sich ihre antifaschistische Grundhaltung als gefestigt herausstellt“, sagt Utz Kowalewski, Fraktionsvorsitzender von DIE LINKE.

 

Kowalewski verspricht sich nichts davon, demokratisch gesinnte Jugendliche geschulten Nazikadern auszuliefern. „Es gibt viele Beispiele so genannter akzeptierender Sozialarbeit mit rechtsgerichteten Jugendlichen, die grandios gescheitert sind. Durch dieses Projekt werden die rechtsradikalen Jugendlichen eher in ihrer Überzeugung gestärkt, da ihre Ansichten als diskussionswürdig anerkannt werden“, ist sich Utz Kowalewski sicher. „Offenbar haben die Initiatoren keine Ahnung von der Naziszene und wie Nazikader ticken.“

 

Immerhin geht kein Dortmunder Geld in dieses Projekt. „Die Stadt Dortmund ist gut beraten, von solchen fragwürdigen Experimenten die Finger zu lassen. Wir finden es gut, dass sich die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie und das Jugendamt/Respekt-Büro davon distanzieren“, ergänzt Dr. Petra Tautorat. „Der multilateral academy empfehlen wir, ihr Konzept schnellstmöglich zu begraben, auch um nicht ihr Image für die Durchführung ihrer anderen Projekte zu beschädigen.“