24. September 2010 Utz Kowalewski

Envio: Gutachten gegen die Wirklichkeit ?!

Mit zwei Zusammenfassungen von Gutachten, die die Rechtsanwälte von Envio-Chef Neupert in Auftrag gegeben haben, wendet sich Envio nun an die Dortmunder Ratsfraktionen. Inhalt der Gutachten: Alles ganz harmlos. Es lief alles wie es einst genehmigt war und im Zweifel gibt es noch mehr Verursacher im Hafen, die dann auch für Envio die Schuld gleich mit tragen. Betont wird auch die Unabhängigkeit der Gutachter und Professorentitel machen sich ohnehin immer gut. Doch wer sind die Gutachter wirklich und was haben sie untersucht ?

Utz Kowalewski, Vertreter der Linken im Umweltausschusses der Stadt, hat einmal nachgehakt:

Prof. Herbert F. Bender ist seit mehr als 20 Jahren für BASF in Ludwigshafen tätig und leitet dort seit 1990 die Einheit „Gefahrstoffmanagement“. BASF Ludwigshafen wiederum ist nach Angaben des Umweltbundesamtes eine der ersten Adressen für die Behandlung von PCB-Flüssigabfällen jeglicher Konzentration. Damit dürfte zumindestens ein starkes Eigeninteresse von Prof. Bender vorhanden sein PCB-Kontaminationen im Blut der Mitarbeiter herunter zu spielen, schließlich könnten solche Werte ja auch bei den eigenen Mitarbeitern mal gemessen werden. BASF findet sich aber darüberhinaus auch noch in der Referenzenliste von Envio, ist also ganz direkt Kunde und damit als Lieferant PCB-verseuchter Transformatoren möglicherweise auch von Schadensersatzansprüchen der PCB-belasteten Menschen nicht völlig ausgenommen. So sieht für Envio die Unabhängkeit von Gutachtern aus, die von Envio im Anschreiben an die Ratsfraktionen natürlich verschwiegen wird und wo lediglich die Nebentätigkeiten als Lobbyist im politischen Raum dargestellt werden.

Der zweite Gutachter ist Dr. Stefan Kamsties von der Ingenieursozietät des Geowissenschaftlers Prof. Katzenbach aus Darmstadt. Kamsties ist sicherlich vom Fach und als Gutachter geeignet. Die Aufgabenstellung von Envio für dieses zweite Gutachten wird aber der Thematik nicht gerecht. Es beschäftigt sich nämlich mit den Emissionen von PCB in die Luft und nicht mit dem was auf dem Betriebsgelände von Envio geschah oder hier in den Fegeproben zu messen ist. Die Einschätzungen bezogen auf Staubmessungen im Umfeld decken sich hier mit den Befunden der PCB-Arbeitsgruppe der Behörden. Zur Beurteilung ob und in welchem Umfang illegale Aktivitäten von Envio zur Belastung von Mitarbeitern und Nachbarn mit PCB geführt haben, liefert das Gutachten dementsprechend keine Erkenntnisse.

Fazit von Utz Kowalewski: „Die vorgelegten Auszüge aus den Gutachten passen genau in die bisherige Strategie von Envio. Zugegeben wird nur, was schon längst bewiesen ist und meistens nicht einmal das. Verantwortung für eigenes Handeln wird nicht übernommen. Zu behaupten, dass die gemessenen gewaltigen PCB-Werte im Blut der Mitarbeiter ein Normalfall seien, ist frech und ungehörig. So ein Unternehmen braucht Dortmund nicht, so ein Unternehmen schadet Dortmund.“