Anlässlich des „Internationalen Gedenktages gegen Rassendiskriminierung“ der Vereinten Nationen am 21. März, hat DIE LINKE in Dortmund den aus rassistischen Motiven ermordeten Sinti und Roma durch die Nazis gedacht. Am Mahnmal an der Weißenburgerstrasse legten die Linken eine Schweigeminute ein.
Auf dem Mahnmal steht der Satz: „Zum ehrenden Gedenken an die Ermordeten und den Lebenden zur Mahnung, stets rechtzeitig der Unmenschlichkeit entgegenzutreten.“ Nach Ansicht der Linken hat dieser Satz nichts von seiner Aktualität eingebüßt.
Utz Kowalewski, Fraktionsvorsitzender der Linken im Dortmunder Rat, erklärte im Rahmen der Gedenkveranstaltung:
„Die Roma sind mit 10-12 Millionen Menschen die mit Abstand größte anerkannte Minderheit innerhalb der Europäischen Union. Keine andere ethnische Minderheit ist so stark von Armut, Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen wie die Roma. Das europäische Parlament hat bereits 2005 in einer Entschließung festgestellt, dass die in der EU lebenden Roma „aus rassistischen Gründen diskriminiert werden“. Als gesamteuropäische Minderheit verfügen Roma über kein Territorium oder Heimatland, dass ihre Interessen vertreten könnte. Die Diskriminierung der Roma hat auch in Deutschland eine lange und unrühmliche jahrhundertelange Tradition, die im Völkermord an den Roma und Sinti ihren Höhepunkt gefunden hatte.
Auch nach 1945 wurde die Diskriminierung der Roma in der BRD fortgesetzt. Bis 1985 war beispielsweise die Standesamtsverordnung 103 in Kraft, die vorschrieb, dass Eheschließungen, Todesfälle und Geburten von Roma und Sinti automatisch der Kriminalpolizei zu melden waren. Erst 1985 wurde der Völkermord an den Roma und Sinti auch vom deutschen Bundestag anerkannt und solche diskriminierende Verordnungen außer Kraft gesetzt.
In Dortmund findet im Zuge der EU-Osterweiterung erneut eine Romadebatte statt. Teils verschämt, teils offen werden antiziganistische Ressentiments wieder hoffähig gemacht und die Stammtische mit einer Sündenbockdiskussion bedient. Die Polizei spricht von organisierter Kriminalität in der Nordstadt, die von den Roma ausgehe. Die Antwort darauf sei eine „Law und Ordner“-Kampagne mit dem Ziel die infolge der EU-Freizügigkeit rechtmäßig in Dortmund lebenden Roma wieder aus der Stadt zu vertreiben. Die große Koalition im Stadtrat und Teile der Verwaltungsspitze tragen diese Vertreibungsstrategie offensichtlich mit oder sind sogar Urheber, um auf dem Rücken von Roma und anderen Minderheiten politisch zu punkten. Der Nordstadt wird man durch die Vertreibung von gesellschaftlich benachteiligten Menschen nicht helfen können. Es besteht aber das Risiko Kräfte zu fördern, die erneut eine Progromstimmung gegen Roma und andere Minderheiten in der Dortmunder Stadtgesellschaft erzeugen wollen. Hier sagen wir deutlich: Es ist unsere Aufgabe im Sinne der Inschrift des Denkmals rechtzeitig gegen Unmenschlichkeit vorzugehen. Sätze wie die von den „menschenverachtenden Lebensformen“ wie von CDU-Politikern zu hören, weisen wir daher entschieden zurück.“
Wenn Du weise sein willst, musst Du zuhören.
Wenn es regnet, bedecke Deinen Kopf nicht mit einem Sieb.
Wenn Dich eine Fliege stört, töte sie nicht, sondern entferne ihren Schmutz.
Sprichworte der Roma und Sinti