6. Mai 2011 Utz Kowalewski

Auch Regierungspräsident setzt auf Vertreiben und Verdrängen

Foto von Prostituiertendemo

24.03.2011 – Dortmunder Prostituierte demonstrieren gegen die Schließung des Straßenstrichs

Enttäuscht aber nicht überrascht hat die Dortmunder Ratsfraktion DIE LINKE auf die Entscheidung des Arnsberger Regierungspräsidenten zur Schließung des Straßenstrichs reagiert. „Ganz wie die Dortmunder CDU und SPD setzt Herr Bollermann auf eine Politik, die Menschen vertreibt und Probleme verdrängt“, kritisiert Fraktionssprecher Utz Kowalewski. Der Kritik des Essener Oberbürgermeisters Reinhard Paß (SPD) könne sich Kowalewski nur anschließen: „Die Dortmunder Stadtoberen wälzen ihre Probleme auf das Umfeld ab, mithilfe des Regierungspräsidenten. Und langfristig ist auch die Nordstadt keineswegs aus dem Schneider.“

Bollermann müsse es besser wissen, findet DIE LINKE Ratsfraktion. Nicht nur die Kritik des Essener OBs, auch das Kölner Beispiel zeige, dass sich Prostitution nicht in Luft auflöst, wenn man – wie zuvor die Stadt Bonn – die anschaffenden Frauen verscheucht. „Sie tauchen am Rande des Sperrgebietes wieder auf“, sagt Kowalewski, „etwas anderes bleibt ihnen nicht“. Dass die Bulgarinnen in Dortmund nun wieder in den Bus nach Plovdiv steigen, sei angesichts der dortigen Zustände „verirrter Wunschglaube“, so Kowalewski. „Wahrscheinlicher ist, dass sie in die Nachbarstädte gehen oder in Dortmunds Hinterhofbordelle, die die Verordnung nicht verbieten kann. Auf lange Sicht werden sie illegal auch wieder auf Dortmunds Straßen stehen. Und genau hier finden sich die Bedingungen, in denen Menschenhandel, Kinderprostitution und Gewalt gegen Frauen wuchern.“

Als „Augenwischerei“ empfindet DIE LINKE die Ankündigung des Oberbürgermeisters, nach dem Aus für den Straßenstrich nach neuen Betreuungsmöglichkeiten für Prostituierte suchen zu wollen. „Auf das Konto von SPD und CDU geht es, dass mit dem Straßenstrich auch langjährig gewachsene Hilfsangebote für die Frauen verschwinden. Gleichzeitig bringen Stadt und Polizei 200 Kräfte auf, die die Frauen von ihrer Arbeit abbringen und hohe Bußgelder von ihnen kassieren sollen. Dass der OB neben dem Druck auf die Frauen auch noch das für Beratungsangebote nötige Vertrauen zu schaffen vermag, muss ehrlich bezweifelt werden.“