Unter dem Motto »Aktion 65 plus: Wir haben es erlebt. Nie wieder.« rufen Dortmunder Antifaschisten zur »Seniorenblockade« gegen den Neonaziaufmarsch am 6. September auf. Wir dokumentieren den Aufruf im Wortlaut:
Bombennächte. Ständige Angst. Hausdurchsuchungen. Die Eltern im KZ. Verwandte sterben im Krieg. Nachbarn mit dem gelben Stern werden abgeholt. Nachts träumen wir davon.
Die Nachfolger der Nazibande, die das verschuldete, erheben wieder ihr Haupt. Jahr für Jahr kommen sie nach Dortmund. Sie rufen »Nie wieder Krieg« und fügen hinzu: »... nach unserem Sieg, dem Sieg des ›nationalen Sozialismus‹«.
Das Maß ist voll.
Sie reden von Frieden, Antikapitalismus, ja Sozialismus. Das taten Hitler und Goebbels auch. Es kam zum furchtbarsten aller Kriege. Zur schlimmsten Form des Kapitalismus: Nicht nur Ausbeutung durch Arbeit, sondern Vernichtung durch Arbeit. Es kam zur Versklavung und zum Holocaust.
Wir sehen nicht mehr zu. Wir Älteren, die Aktion 65 plus, werden den Nazis am 6. September entgegentreten. Wir werden sie blockieren. Das ist nicht strafbar, wie unser Polizeipräsident verbreiten läßt. Sträflich wäre es, die Nazis gewähren zu lassen. Das wäre grundgesetzwidrig (Artikel 139).
Auch die jungen Menschen sind bei unserer Aktion erwünscht. Wir werden gewaltlos handeln. Wer das auch tun will, ist willkommen.
Auch wir rufen auf, am 6. September auf den Platz der Alten Synagoge zur Protestkundgebung zu kommen. Welcher Platz könnte besser geeignet sein? Wir sind aber auch an anderen Orten gefordert, zum Beispiel beim Schutz der Stolpersteine für die NS-Opfer vor den Nazistiefeln. Achtet auf das Transparent der Aktion 65 plus.
Erstunterzeichner: Joseph Angenfort, Willi Hoffmeister, Ursula Richter, Wolfgang Richter, Traute und Ulrich Sander
Wer sich an der »Aktion 65 plus« beteiligen will, melde sich bei: willi.hoffmeister at gmx.de oder per Post bei Uli Sander, Postfach 321, 44388 Dortmund
Weitere Informationen zur Situation in Dortmund gibt ein der Artikel "Freie Hand für Neonazis" in der "jungen Welt".